Frauen in Führungspositionen - Nicht besser. Nicht schlechter. Nur anders.


Ob am Equal Pay Day, am Girls’Day oder angesichts des demnächst in Kraft tretenden Entgelttransparenzgesetzes* – immer wieder schwappen dieselben Fragen hoch: Führen Männer besser als Frauen? Wie lassen sich Frauen ermutigen, Führungsaufgaben zu übernehmen? Und hilft eine Quote, das Führungspotenzial von Frauen zu heben?

 

Wir haben erfolgreiche Frauen aus der ecos-Gruppe interviewt und zeigen, was sich lernen lässt von den Inhaberinnen und Office Managerinnen aus den ecos office centern:

 

Aleksandra Burger, Office Managerin im ecos office center mainz, lernte dort ab 2004 Bürokauffrau und übernimmt danach die Teamleitungs-Funktion durch „learning by doing“. Immer jedoch humorvoll und bodenständig: „Ich bin Teamplayer, auch wenn ich die Office Managerin bin!“, beschreibt Aleksandra Burger ihre Einstellung.

 

Die Sandwichposition als Geführte und Führende erlebt sie zwiespältig. Zeitweise sei es anstrengend, beiden Seiten gerecht zu werden. Was ihr dann besonders helfe, sei das sehr offene Klima, das sie, ihre Kollegen und der Inhaber des Business Centers, Harald Kastor, miteinander pflegen. Frauen, die Führungskräfte werden wollen, empfiehlt Burger: „Seid mutig und schreitet selbstbewusst voran! Und vergesst das Lachen nicht! Gerade in stressigen Situation.“

 

Angesprochen darauf, was ihr zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ noch einfalle, ärgert sich Aleksandra Burger: „Die Frauenquote!“ Kontraproduktiv sei diese, weil Stellenbesetzungen auf dieser Basis immer mit dem Makel der Positionsbesetzung nicht nach Qualifikation, sondern nach Quotenerfüllung behaftet sind. Aleksandra Burger ist überzeugt, dass weibliche Führungskräfte nur mittel- und langfristig als Vorbilder für Selbstverständlichkeit stehen, wenn Führungspositionen freiwillig und leistungsorientiert besetzt werden. Ganz ohne Quote.

 

Anne Hermanski, Inhaberin des ecos office center essen, sieht das anders: „Ich bin für die Frauenquote. Wir brauchen eine ‚kritische Masse‘, damit weibliche Führungskräfte präsenter und selbstverständlicher werden. Länder mit Frauenquote zeigen den positiven Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft, weil Frauen anders führen als Männer. Nicht besser, anders!“

 

Frauen, so Anne Hermanski weiter, seien stärker auf die Befindlichkeit ihrer Teams bedacht, Männer eher auf die Zielerreichung. „Wir brauchen immer beides. Sonst erreichen wir zwar unsere Firmenziele und sind alle gestresst oder wir haben ein prima Klima, kommen aber nicht zu Potte.“ Gerade in der Mischung liege die Chance, voneinander zu lernen und so allen Zielen gerecht zu werden.

 

Anne Hermanski muss es wissen: Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin hat 13 Jahre lang bei IBM gearbeitet, leitete mit 27 Jahren als einer der jüngsten Managerinnen ein regionales Rechnungszentrum und erlebte, wie männliche und weibliche Führungskräfte sich gegenseitig das Bestfunktionierende abschauen können. Weil sie als Angestellte vielen Zwängen unterlag und essentielle Entscheidungen nicht allein treffen durfte, gründete sie 1994 ihre eigene Firma in dem damals unbekannten Feld der Business Center. Gereizt haben die IT- und dienstleistungsaffine Macherin dabei die Aufbruchsstimmung und der Pioniergeist, die damals nötig waren.

 

Anne Hermanski verzichtet auf einen streng definierten Führungsstil. Dank vieler wertvoller Schulungen und Coachings in ihrer IBM-Zeit führe sie „mit einer gewissen Leichtigkeit und Sicherheit, mit hoher Aufmerksamkeit für Mitarbeiteraussagen und Fairness“.

 

Dabei legt Anne Hermanski auch Wert auf stetiges Feedback zur eigenen Weiterentwicklung: In ihrer regionalen Coachinggruppe diskutiert sie Führungsfragen mit anderen Unternehmerinnen, um dank des Fremdblicks von außen wertvolle Impuls für die eigene Arbeit zu bekommen.

 

Weiblichen (Nachwuchs-) Führungskräften rät Anne Hermanski: „Seid ihr selbst und seid mutig! Macht den Mund auf und holt Euch Hilfe!“ Ein Mentoring oder Coaching kann dabei Gold wert sein. Denn durch praxisnahes Abschauen bewährter Lösungsstrategien lässt sich oft besser lernen, als durch alleiniges Theoriestudium.

 

Das unterstreicht auch die Inhaberin des ecos office center potsdam: Gabriele Hellwig übernahm nach 7 Jahren Angestelltendasein den Büroservice, bei dem sie arbeitete. Die Kunden dankten ihrem Mut und Einsatz – von den damals 25 Kunden blieben 24, weil Gabriele Hellwig sich nicht nur täglich an ihrer abwechslungsreichen Arbeit erfreut, sondern ein herzliches und faires Verhältnis zu ihren Kunden pflegt.

 

Als sie die Führung offiziell übernahm, war sie zwar nicht geschult, hatte jedoch durch den schon länger andauernden Rückzug ihres damaligen Chefs peu à peu immer mehr Verantwortung übernommen: Sie schloss Verträge ab, verfügte über das Geschäftskonto und musste „nur“ die psychologische Hürde nehmen, sich mit der Firmenübernahme selbständig zu machen.

 

Aufgewachsen in der DDR verfügte Gabriele Hellwig über eine solide Ausbildung als Facharbeiterin für Schreibtechnik mit der Zusatzqualifikation als Sekretärin und hatte Erfahrungen in einem Großbetrieb, der DEFA und einer Versicherung gesammelt. Die Selbständigkeit allerdings erschien ihr als riskanter Sprung: „Ich bin Sicherheitsmensch – ich habe Gürtel UND Hosenträger! Dazu die Sorge: ‚Jetzt bin ich wirklich für alles alleine verantwortlich!‘“.

 

Dank des emotionalen Beistands ihrer Familie wagte sie den Schritt und bewies, dass bunte Lebensläufe kein Manko, sondern ein Vorteil sind. Auch und gerade bei Frauen in Führungspositionen. Frauen auf dem Weg in die Führungsrolle rät Hellwig: „Holt Euch den Rückhalt in der Familie! Steht hinter dem, was Ihr tut und habt einen starken Willen! Gesteht Fehler – der Schritt zum Kunden ist besser, als wenn der erst zu Euch kommen muss.“

 

Ihre Meinung zum Thema Frauenquote: „Völliger Schwachsinn. Entweder bewährt sich eine Frau und kann es. Oder es ist keine passende Frau da, dann ist es sinnlos, eine auf die Position zu setzen.“ Leistungsorientierung prägt bei aller Fairness auch ihren Führungsstil „auf Augenhöhe“: „Ich kann nichts verlangen, was ich nicht auch selbst tun würde.“

 

Das unterschreibt auch Yvonne Torschmied, Office Managerin im ecos office center eschborn, als essentiellen Aspekt ihres Führungsstils: „Auf gleicher Ebene auf die Mitarbeiterinnen zugehen und ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis pflegen.“

 

Yvonne Torschmied, seit 20 Jahren im Unternehmen, übernahm erst vor einem Jahr die Führungsrolle, als Steffen Grüber als neuer Inhaber Entlastung im Alltag brauchte. Yvonne Torschmied bringt ihr hohes Dienstleistungsbewusstsein und ihre Kundenorientierung mit, um neben dem Organisatorischen und der Prokura auch Kundenverträge gewissenhaft abzuschließen.

 

Neben dem Vertrauensbonus ihres Chefs („Machen Sie mal, Frau Torschmied!“) half ihr beim Wechsel in die neue Position ihre Maxime: „Hab ein gesundes Selbstbewusstein und sei mutig! Auch dabei, Hilfe zu suchen, zu fragen und sich coachen zu lassen!“

 

Dies rät sie auch dem weiblichen Führungsnachwuchs, für den es bedauerlicherweise immer noch schwieriger sei, als für Männer. Dabei sei es „Wurst, wer vorne sitzt – er und sie müssen einfach einen guten Job machen!“ Damit diese Sichtweise bei künftigen Generationen normal wird, lebt die zweifache Mutter ihren Kindern vor, welche gesellschaftliche Veränderung sie sich wünscht: Frauen in Führungspositionen sind genauso normal und wertvoll wie Männer. Nicht besser. Nicht schlechter. Nur anders.

 

*Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen


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