Der Telefontipp: Wie Sie am Telefon Dinge in Bewegung bringen


Kennen Sie das? Sie grübeln über „den“ Slogan für Ihren Kunden oder zermartern sich das Gehirn über einen pfiffigen Aufhänger für Ihre Präsentation. Entnervt, weil Ihnen nichts einfallen mag, gehen Sie in die Kaffeeküche und schwups! Da ist sie – die geniale Lösung! Was war es, das Ihnen den fulminanten Kick gab? Simple Motorik...

 

Dem Menschen schreibt man drei Grundarten der Körperhaltung zu: Neben Stehen und Liegen sind es drittens Sitzen, Hocken oder Knien. Varianten dazu gibt es nahezu unzählige. Denken Sie nur daran, wie unterschiedlich Sie stehen können. Oder nein – denken Sie nicht, tun Sie es! Auf geht’s!

 

Stehen Sie mit gestreckten Beinen, beugen Sie die Knie, erst minimal, dann immer stärker, bis Sie fast... Na, was macht es mit Ihnen, wenn Sie nicht mehr mit geraden Beinen stehen, aber noch nicht in der Hocke angekommen sind? Wie sicher ist Ihr Stand?

 

Kombinieren und vergleichen Sie: Was fühlt sich sicherer an? Wo geraten Sie eher ins Schwanken?

 

Was hat nun das Stehen mit Ihrem Telefonverhalten zu tun? Nun, ganz einfach: Ihre Stimme verändert sich im Stehen. Erst recht beim Gehen. Nur dann nämlich nutzen Sie alle Resonanzräume, und Ihr Atem fließt freier. Nur mit genug Luft haben Sie die wohlklingende, überzeugende und gewinnende Stimme, die Sie sich wünschen.

 

Und mit Ihrer Stimme ändert sich Ihre Stimmung. Sie kennen das: Ihre Stimme passt sich an Ihre Laune an. Sind Sie fröhlich, ärgerlich oder traurig, klingt sie euphorisch, kalt oder verzagt. Das funktioniert jedoch auch andersrum: Lesen Sie mit erotischer Stimme einen Einkaufszettel vor, fühlen sich Milch und Brot gleich nach viel mehr an...

 

Was mich in Coachings immer wieder verblüfft, ist die Tatsache, dass viele Menschen gerade in schwierigen Telefonaten – bildlich gesprochen – auf einem Bein hocken und dies auch noch mit nach innen gedrehter Fußspitze. Wie wollen sie so Ihr Gegenüber überzeugen? Ihm Paroli bieten, ihn in seine Schranken weisen oder vom Sinn ihrer Argumente überzeugen? Und wie anders wirkt es, wenn sie lernen, sich geschickt zu positionieren, bevor sie ein Verkaufs- oder Konfliktgespräch führen!

 

Probieren Sie es einfach mal aus: Rufen Sie eine Vertrauensperson an, „verkaufen“ Sie ihr einen gemeinsamen Kinobesuch und bitten Sie um Feedback. Verschweigen Sie, worauf genau die Vertrauensperson achten soll. Verheimlichen Sie, was Sie in den zwei Telefonaten verändern. Verkaufen Sie einfach Ihren Kino-Wunsch, zunächst im Sitzen. Machen Sie dabei einen Katzenbuckel und starren Sie in der Kranichhaltung auf Ihren Bildschirm. Für das zweite Telefonat stehen Sie auf, gestikulieren Sie, gehen Sie ein paar Schritte auf und ab, verändern Sie Ihren Stand und stemmen Sie die Arme in die Hüften. 

 

Wetten, dass Ihre Vertrauensperson einen Unterschied bemerkt?! Lassen Sie sich berichten, wie Sie gewirkt haben. Klein, verschüchtert, beengt, ängstlich, unsicher und planlos – das könnten Feedbacks zum ersten Gespräch sein. Lebendig, engagiert, selbstbewusst, stark, erfahren und resolut – das werden Sie eher zum zweiten Telefonat hören. Und das, obwohl Sie dieselben Verkaufsargumente und denselben inneren Leitfaden verwendet haben!

 

Also, telefonieren Sie ab jetzt einfach mal bewegter: Stehen Sie bei hakligen Telefonaten auf. Seien Sie „Raum-(er)greifend“. Nehmen Sie Haltung an. Unterstreichen Sie Ihre Aussagen durch Ihre Gesten. Bringen Sie Bewegung in festgefahrene Situationen, indem Sie sich bewegen. Verändern Sie Ihren Blickwinkel auf den Konflikt, indem Sie aus einer anderen Perspektive auf ihn schauen. Sorgen Sie für sicheren Stand, damit Sie Ihren Standpunkt sicher vertreten.

 

Na, gemerkt? Allein die Wortwahl zeigt, wie dicht Stimme, Haltung und Botschaft verknüpft sind. Nutzen Sie diesen Effekt! Viel Freude dabei!

 

Ihre

Ulrike Behl

 

P.S.: Wie erleichternd, dass am Telefon niemand sieht, dass Sie gerade auf den Schreibtisch steigen, um ein Problem von oben zu betrachten.

 

P.P.S.: Und wie gut zu wissen, dass Sie all das eigentlich schon kennen und können. Sobald Sie nämlich „live und in Farbe“ mit Ihrem Gesprächspartner reden, beherzigen Sie (fast) alle diese Tipps. Ihr Können nun also auf’s Telefon zu übertragen, wird ein Leichtes für Sie sein.


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Ulrike Behl, KLARTEXT Agentur für klare Kommunikation