Pokémon Go und seine Folgen für deutsche Städte


Nicht nur in Übersee, auch in Deutschland ist seit Mitte Juli dieses Jahres der Pokémon-Wahn ausgebrochen: Was ältere Semester noch als Video- und Sammelkartenspiel kennen, erlebt die nächste Generation von Spielwütigen nun als Mischung aus realem und virtuellem Spiel. Bei Pokémon Go.

 

Dabei fangen, trainieren und entwickeln die Spieler virtuelle Fantasiewesen, eben die Pokémon, und schicken sie in virtuelle Kämpfe gegen andere Pokémon. Clou des vom US-amerikanischen Softwareunternehmen Niantic entwickelten Spiels ist, dass sich diese virtuellen Wesen nun in unserer realen Welt bewegen. Deshalb sieht man nun allerorten Menschen mit Smartphones oder Tablets, die an besonders attraktiven Orten („hotspots“) nach den kleinen Wesen jagen.

 

Nicht-Spieler dürfte dies nicht nur reichlich irritieren, teilweise kam und kommt es auch zu Belästigungen und Einschränkungen. So berichtet die Stadt Münster von „Kippen und Scherben auf Spielplätzen und in Grünanlagen“. Hinterlassen von Pokémon-Spielern, die sich durchaus auch auf Spielplätzen treffen, die jedoch eigentlich für die jungen Spiel-Kinder gedacht sind. Und die geraten durch die Hinterlassenschaften der Älteren rasch in Gefahr: Kleine Kinder „fassen gern alles an und stecken ihre Entdeckungen auch mal in den Mund; das kann mit Zigarettenkippen passieren oder mit Scherben“. Matthias Selle vom Grünflächenamt appelliert an die Pokémon-Fans (und natürlich auch alle anderen über 14-Jährigen, die es immer mal wieder auf den Spielplatz zieht): „Wenn mal eine Flasche zu Bruch geht, bitte die Scherben einsammeln, die Verletzungsgefahr ist groß“. Rauchen und trinken ist auf Spielplätzen ohnehin verboten. Selle dazu augenzwinkernd: „Das erkennt, wer den Blick kurz vom Smartphone hebt und einmal auf die Schilder auf den Spielplätzen sieht."
 

In Düsseldorf dagegen gibt es erhebliche Probleme im Straßenverkehr: Oberbürgermeister Thomas Geisel hat sich dazu Anfang August ein eigenes Bild verschafft und die Situation auf der Girardet-Brücke beobachtet. Die ist seit Mitte Juli für den Autoverkehr nahezu täglich gesperrt. Grund: Der dort befindliche Hotspot von Pokémon Go lockt so viele Fans auf der Jagd an, dass das Ordnungsamt das Bauwerk ab einem größeren Andrang zugunsten der Verkehrssicherheit einfach sperren muss. Auch um den nun dort anfallenden Mülle kümmert sich die Stadt und hat an der Brücke sieben Müllbehälter á 240 Liter Behältervolumen aufgestellt, „um trotz der hohen Frequentierung die nötige Sauberkeit zu ermöglichen. Diese werden regelmäßig – auch an Wochenenden – geleert“. Dazu sorgen drei mobile Toiletten, die ab sofort vier Mal pro Woche geleert werden, für den Komfort der Pokémon-Spieler. Bleibt zu hoffen, dass diese zweckentsprechend genutzt werden. Der Düsseldorfer OB appellierte dazu an alle Spieler und Nichtspieler, Rücksicht aufeinander zu nehmen.

 

Die Landesmedienanstalt des Saarlandes (LMSaar) stellte unterdessen ein Themenpapier zusammen mit wichtigen Hinweisen zum Thema „Datenschutzprobleme, Kostenfallen und Kontaktrisiken in Drittangeboten“ rund um das Spiel.

 

Auch Unternehmen sind alarmiert: Thyssen-Krupp beispielsweise musste analog zum „Don#t drink and drive“ die parole „Don’t Pokèmon and work“ ausgeben. Auch bei Volkswagen wurden die Mitarbeiter angewiesen, das Spielen in den Werkshallen zu unterlassen – zu hoch ist hier die Gefahr, dass sie dabei sich selbst oder Dritte in Gefahr begeben oder durch Unachtsamkeit und Nachlässigkeit gravierende Fehler in den PKWs entstehen.

 

ecos office center wünscht allen Spielern eine erfolgreiche Jagd und freut sich über achtsamen Umgang mit der realen Umgebung.

 

Details + Quellen: www.muenster.dewww2.duesseldorf.dewww.lmsaar.de


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